Von Stürmen auf Seen und anderswo

Acryl auf Leinwand - 2018

dav

Der Begriff “Theo-ikonie” wurde von mir eingeführt und veröffentlicht (Eggerl, Hans-Peter, Religiöses Lernen ereignet sich ästhetisch. Postmodern-ästhetische Welt und ästhetische Kategorien religiöser Bildung, Winzer 2009.), um Bilder als weitere philosophisch-theologische Reflexionsfolie zu etablieren; und zwar solche Bilder, die sich mühen, spirituellen und theologischen Gegebenheiten oder Vermutungen dort Raum zu geben, wo das analytische Wort seine Grenzen erreicht hat. 

Mit “Von Stürmen auf Seen und anderswo” wurde eine Arbeit erstellt, die hier ganz ausdrücklich verortet werden will, dieses Bild will “Theoikonie” betreiben und geht letztlich der Frage nach, welche Ebene bei (manchen) biblischen Texten mehr Aussagekraft beanspruchen darf; die historische oder die metaphorische. Ein punktuell historisch verstandenes Sturmstillen eines Jesus vor 2000 Jahren (wie es die Bibel berichtet) ist allenfalls interessant oder kurios oder unglaublich. Dieselbe Geschichte allerdings metaphorisch gelesen, kann die “Stürme” in den Biographien aller Menschen bis ins Heute thematisieren und dem einen (hoffnungsvoll-gelassenen) zeitloseren Zuspruch geben. Allerdings genießen symbolisch-metaphorische Auslegungen kaum die Wertschätzung, die sie verdienen: ist ja “NUR” symbolisch?!

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Heiliges Schweigen

Je mehr sie von der Oberfläche in die Tiefe geht,
deine heilige Erfahrung, über die zu sprechen dich drängt,
umso dünner und durchsichtiger und schemenhafter werden dir die Worte.

Je mehr dein Staunen,
umso weniger das Arsenal der Wörter, die dir bleiben.
Eine Wörtersintflut kann das Belanglose beschreiben,
doch das so sehr Wesentliche
scheint alle Begriffe einschüchternd zu verscheuchen.

Zu Anfang noch bleibt dir immerhin
das Stammeln und Stottern.
Am Ende steht ein Schweigen,
das so unendlich voll ist, so dicht, so unendlich dicht.
Doch nur dieses passt,
denn das unendlich dichte Schweigen
hat die Ehrfurcht, die deiner heiligen Erfahrung gebührt.

Schade nur, niemand anders versteht dein Staunen,
denn schweigen lässt sich nicht mit laut tönenden Worten.
Was einzig helfen mag,
ist eine Geschichte oder ein Bild oder eine Melodie
die den Weg mit bunten Worten pflastern
oder mit Brotkrumen versehen,
deinen Weg in die Tiefe,
dorthin, wo deine Erfahrung wohnt.

Und der, der zu hören und zu schauen bereit ist,
vermag der Geschichte, dem Bild oder der Melodie hinterhergehend deinen Ort in der Tiefe finden
und erkennend, ehrfurchtsvoll und staunend schweigen.
Ein Schweigen, das so unendlich voll ist, so dicht, so unendlich dicht.

Ob die Geschichte mit den bunten Worten
und den Brotkrumen am Weg
wahr ist, die du dann erzählst, ob das Bild wirklichkeitsgetreu abbildet, was zu sehen ist,
und ob die Melodie als Bericht taugt,
kann nicht die Frage sein.
Das Ziel ist wahr, unendlich wahr.

HaPe Eggerl 

 

 

Eine kurzes Begleitgeheft wurde damals erstellt, um den Zugang zum Bildinhalt zu erleichtern. 
Bei Interesse kann gerne nachgefragt werden (>> Kontaktformular unten)! 

 

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